BEDEUTENDE OBJEKTE UND PERSÖNLICHE BESITZSTÜCKE AUS DER SAMMLUNG VON LENORE DOOLAN UND HAROLD MORRIS, DARUNTER BÜCHER, MODE UND SCHMUCK

- Erscheint am 23. Januar 2010
144 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 9783827009012
Aus dem Amerikanischen von Rebecca Casati
Vor drei Jahren besucht die Autorin Leanne Shapton die Versteigerung von Truman Capotes Nachlass. Sie ist fasziniert von den Dingen, mit denen Capote sich umgeben hat, ersteigert einen Regenmantel (den sie noch heute trägt), und während sie im Auktionskatalog blättert, sich die Fotos und Beschreibungen ansieht, fällt ihr auf, dass sich das Ganze wie eine Autobiographie liest…
Das bringt sie auf die Idee für dieses Buch. Sie erzählt die komplett erfundene Geschichte einer Beziehung, ihre Blüte und ihr Scheitern auf noch nie da gewesene Weise – über einen fiktiven Auktionskatalog. Dieser versammelt über 300 Fotos samt Beschreibungen von Privatgegenständen, die von der Beziehung eines New Yorker Paares, Lenore und Harold, übrig geblieben sind: Möbel, Schmuck, gemeinsam geklaute Salz- und Pfefferstreuer, ein ausgestopftes Eichhörnchen, Schlafanzüge, ein Scrabble-Spiel, zwei Pudelfiguren, ein Italien-Reiseführer, der Schirm eines Exfreunds, Briefe und Bücher. Es ist die Chronik einer herzzerreißenden Liebe, ihrer Rituale, ihrer wachsenden Intimität – vom ersten Rendezvous bis zur Trennung. Ein ganz und gar großartiges Buch über das, was bleibt, wenn die Liebe geht.
01.01.1970
Buchpremiere in Berlin
Buchpremiere (mit Ausstellung) in den Räumen von Andreas Murkudis.
© Thomas Lobenwein
INTERVIEW MIT LEANNE SHAPTON
THE NEW YORKER (Online-Ausgabe), 13. Februar 2009
Autorin, Illustratorin, Sammlerin – das Multitalent Leanne Shapton hat ein Buch geschrieben: Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke aus der Sammlung von Lenore Doolan und Harold Morris, darunter Bücher, Mode und Schmuck, die Chronik einer fiktiven Beziehung. Erzählt wird von dieser Beziehung über die Besitzstücke, die sich die beiden Protagonisten, Lenore und Hal, gekauft haben, die Briefe und Notizen, die sie einander geschrieben haben, die Schnappschüsse, die sie von- und miteinander aufgenommen haben. Die Geschichte kommt im Gewand eines Auktionkatalogs daher; die fiktive Versteigerung des Hausstandes des Paares ist für den Valentinstag angesetzt.
Frau Shapton, wann haben Sie damit begonnen, an Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke zu arbeiten? Gab es einen besonderen Moment, an dem Ihnen plötzlich die Idee kam, dieses Buch zu machen oder hat sich alles eher nach und nach entwickelt?
Ich habe angefangen, diese Idee zu entwickeln, als ich 2006 bei einer Vorbesichtigung von Truman Capotes Nachlass war. Beim Hinausgehen kaufte ich den Auktionskatalog, in dem der Nachlass ausgestellt war. Ich habe den Katalog immer wieder zur Hand genommen, darin geblättert und gelesen. Die sehr zurückgenommenen, spröden Beschreibungen der einzelnen Objekte verblüfften mich, sie beschrieben auf geradezu klinische Weise die Dinge, die Truman Capote einst sehr viel bedeutet haben müssen. Ich hatte außerdem das Gefühl, dass der Katalog gewissermaßen in elliptischer Form Capotes letzte Lebensjahre erzählte. Ich konnte mir seine Lebenssituation auf einmal sehr genau vorstellen.
Ein paar von Capotes Besitzstücken habe ich dann ersteigert und sie an Weihnachten verschenkt. Ein Schal ging an einen sehr engen Freund, der im Sterben lag. Monatelang setzte ich mich mit dem Gedanken auseinander, was übrig bleibt, wenn jemand nicht mehr da ist. Erst dachte ich an eine andere Art von Buch, zunächst wollte ich den Auktionskatalog als formale Vorlage für eine Biographie benutzen, aber dann entwickelte ich die Idee weiter und mir kam der Gedanke, dass nicht nur unser Leben eines Tages zu Ende geht, sondern auch ganz andere Dinge: Beziehungen, bestimmte Lebensabschnitte, Karrieren usw.
Ein Buch, das ich sehr liebe, ist Peter Feldmanns Alle Kleider einer Frau aus dem Jahr 1974. Ich habe es immer in meiner Nähe und habe es auch zur Hand genommen, als ich mein Buchprojekt entwickelte. Es ist sehr beeindruckend, wie Feldmann mithilfe ganz einfacher schwarz-weiß Fotos das stille Porträt einer jungen Frau zeichnet, und das über ihre Schuhe, ihre Jeans, ihre Unterwäsche. Mir fiel zu der Zeit außerdem ein Ausstellungskatalog in die Hände, der zu einer Ausstellung gehörte, die die Korrespondenz zwischen Sylvia Plath und Ted Hughes zeigte. Diese drei Dinge, der Auktionskatalog, Feldmanns Buch und der Ausstellungskatalog waren ausschlaggebend für meine Entscheidung, die Geschichte einer Beziehung zu erzählen.
Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass es mir sehr schwer fällt, Dinge wegzuschmeißen. Zu der Zeit war ich gerade sehr damit beschäftigt, was ich mit all dem Krimskrams in meiner Wohnung anfangen sollte, da ich gerade dabei war, mit meinem Freund zusammenzuziehen.
Wenn Sie über Ihr Buch Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke sprechen, bezeichnen Sie es dann als Roman?
Ich spreche von meinem Buch normalerweise als von einer Liebesgeschichte, erzählt über einen Auktionskatalog.
Haben Sie sich zunächst die Geschichte des Paares ausgedacht und dann die entsprechenden Objekte und Besitzstücke gesucht, um die Geschichte erzählbar zu machen, oder war es andersherum? Und gab es Momente, in denen Sie zum Beispiel dachten „An dieser Stelle weiß ich genau, was ich brauche, um weiterzuerzählen: ein ausgestopftes Eichhörnchen“?
Ich habe mir zunächst die Geschichte ausgedacht, und dann manche Momente festgelegt und mir ausgedacht, in welchen Gegenständen sie ihre Entsprechung finden könnten. Manchmal inspirierte mich ein Gegenstand, der mir zufällig unterkam (ich war sehr viel auf Flohmärkten, Haushaltsauflösungen und Secondhandläden unterwegs). Manchmal wusste ich aber auch ganz genau, was ich wollte – zum Beispiel den Toasthalter in Herzform – den es dann irgendwo aufzutreiben galt.
Ihre weibliche Hauptfigur Lenore ist eine begeisterte Listenschreiberin. Und sowohl sie als auch ihr Freund Hal sind Sammler aller möglichen Dinge: Zitate, Flohmarktraritäten, Bücher über Fotografie. Denken Sie, es besteht ein Zusammenhang zwischen Listenschreibern und Sammlern?
Nicht, dass ich wüsste, abgesehen vielleicht von der Tatsache, dass Sammler sich gern Listen anfertigen, um die Dinge, die sie gefunden haben, von ihrer Liste streichen zu können. Ich lasse meine Figur Lenore viele Listen schreiben, weil sie ein eher scheuer, ein bisschen ängstlicher Typ ist, und natürlich ging es mir auch darum, einen Weg zu finden, dem Leser über Listen Einblicke in ihr Inneres zu gewähren.
Der Fotograf Jason Fulford hat viele der Bilder in Bedeutende Objekte und Persönliche Besitzstücke gemacht. Hatten Sie eine bestimmte ästhetische Anmutung im Sinn, die diese Bilder haben sollten?
Jason Fulford hat die Gegenstände fotografiert, die für die Auktion einzeln aufgenommen werden mussten. Dabei ging es um einen sehr klaren, technischen Stil, um der Ästhetik von echten Auktionskatalogen so nahe wie möglich zu kommen. Die Schnappschüsse, die die beiden Protagonisten privat zeigen und die ebenfalls Teil des Katalogs sind, hat ein anderer Fotograf aufgenommen, Michael Schmelling. Es war mir sehr wichtig, dass diese Fotos wie echte Schnappschüsse aussehen. Außerdem wollte ich auch der Tatsache gerecht werden, dass die männliche Hauptfigur, Hal, ja professioneller Fotograf ist. Manchmal haben meine beiden Hauptdarsteller, die Lenore und Hal geben, sich auch gegenseitig abgelichtet.
Es macht sehr viel Spaß, Ihre beiden Protagonisten Hal und Lenore über ihre Besitzstücke und kleinen Eigenheiten kennen zu lernen. Haben Sie sich diese Eigenheiten ausgedacht oder sind sie autobiographisch? Oder kennen Sie jemanden, der zwei Paar Socken übereinander trägt?
Mein Bruder ist derjenige, der seine Socken so trägt. Viele der Eigenheiten meiner beiden Protagonisten habe ich mir ausgedacht, so zum Beispiel die Notizen, die sie sich hinterlassen oder die Spitznamen, die sie füreinander haben, aber ein paar der Eigenheiten und kleinen Ticks stammen auch aus meinem eigenen Leben.
Sind Sie eher wie Lenore oder wie Hal?
Ich fürchte, ich bin wohl ein bisschen wie Hal, aber in den Kleidern von Lenore.
Werden wir mit weiteren Projekten rechnen dürfen, mit denen Sie das Geschichtenerzählen neu erfinden?
Fürs erste wohl eher nicht. Ich muss endlich aufhören, Krimskrams anzuhäufen.
Zum Ersten, zum Zweiten.... Das Bieten um den Roman, der als Auktionskatalog daherkommt
Artikel aus The Independent, London, 22.12.2009
Debüt, das die Chronik einer gescheiterten Beziehung zeichnet, wird durch Mundpropaganda zur Sensation des Jahres
Von Arifa Akbar, Kunstkorrespondent, The Independent
Shaptons Buch zeichnet die Geschichte einer gescheiterten Beziehung mit all ihren Höhen und Tiefen nach – reflektiert über den gemeinsamen Besitz eines Paares, das sich getrennt hat und dessen Wertgegenstände nun in einem Auktionskatalog zum Verkauf angeboten werden.
Ganz ohne Unterstützung einer Marketingkampagne wurde Leanne Shaptons Debüt BEDEUTENDE OBJEKTE UND PERSÖNLICHE BESITZSTÜCKE... zur größten Mundpropaganda-Sensation des Jahres.
Das Buch, das mit mehreren hundert Fotos illustriert ist, war in England so begehrt, dass Bloomsbury es sechs Wochen nach Erscheinen bereits zweimal nachdrucken musste, absolut außergewöhnlich für ein Debüt.
Ursprünglich aus Kanada und zuletzt Art Director bei der New York Times, erzählt Leanne Shapton darin die teils autobiographische Geschichte einer Beziehung, die sich zwischen Lenore Doolan, einer Essen-und-Trinken-Kolumnistin und Harold Morris, einem Fotografen, entwickelt.
Ihre Romanze wird über eine Reihe von Gegenständen, die bei einem fiktiven Auktionshaus am Valentinstag zur Versteigerung kommen sollen, offenbar. Jedes Los, darunter Fotos (Freunde von Shapton mimten die Protagonisten Doolan und Morris), Briefe, Kleider, Kochbücher und ein Set Schürzen, zeugt von entscheidenden Momenten der Beziehung. Über die Gegenstände lernt der Leser Doolan und Morris kennen.
Die Buchrechte von BEDEUTENDE OBJEKTE UND PERSÖNLICHE BESITZSTÜCKE... wurden nach Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, die Niederlanden, Norwegen, Griechenland, Korea und Brasilien verkauft. Auch die Rechte an einer Filmadaption sind verkauft, an Brad Pitt und Natalie Portman. Julia Roberts bot ebenfalls dafür, unterlag aber.
Obwohl BEDEUTENDE OBJEKTE UND PERSÖNLICHE BESITZSTÜCKE… auch in Amerika, wo die Originalausgabe im Frühjahr 2009 erschien, ein großer Erfolg war, brauchte es ein paar Monate, bis sein Potenzial in England erkannt wurde und Bloomsburys Cheflektorin, Alexandra Pringle, die britischen Rechte kaufte. Pringle, die auch die britischen Rechte an Elizabeth Gilberts Bestseller EAT PRAY LOVE erworben hat, sagt: "Shaptons Buch verkauft sich allein durch Mundpropaganda und ist viel schneller durchgestartet, als wir es erwarten konnten.
„Ich habe es zum ersten Mal während eines Fluges gelesen und war völlig hingerissen. Es dauert ja nicht lange, das Buch zu lesen, aber ich war sehr berührt und dachte sofort daran, dass ich es unbedingt dieser oder jener Person schenken müsste. Ich habe jede einzelne Zeile gelesen, auch die Auktionskatalogtaxen, die den geschätzten Preis der Gegenstände angeben. Und das Buch funktioniert auch visuell, weil Leanne Shapton selbst die Fotos aufgenommen hat."
Alexandra Pringle sagt, dass sie E-Mails von anderen Bloomsbury-Autoren bekommen habe, die von Shaptons Buch schwärmten, darunter Raffaella Barker und William Boyds Frau, Susan Boyd, die zehn Exemplare von Shaptons Buch als Weihnachtsgeschenke kaufte. Unabhängige Buchhandlungen, darunter Foyles in London und Lutyens & Rubinstein in Notting Hill mussten Exemplare des Buches nachordern.
Leanne Shapton, die mit James Truman, dem früheren Redaktionsdirektor von Condé Nast verlobt ist, sagte in einem Interview, dass sie das Buch geschrieben habe, "um mich auf gewissen Weise für die Beziehung bereit zu machen, in der ich jetzt lebe". Shapton hat bereits ein Buch geschrieben, das den Titel WAS SHE PRETTY? trägt und von einer Frau handelt, die auf die Exfreundinnen ihres Freunds eifersüchtig ist. Inzwischen arbeitet Shapton an ihrer nächsten "concept novel".
INTERVIEW MIT LEANNE SHAPTON
The Phoenix, USA, 24. März 2009
Es gibt viele verschiedene Wege, um mit einer Beziehung, die zu Ende gegangen ist, umzugehen. Ein Klassiker ist es, die Dinge, die einen zu sehr an die Person erinnern, mit der man nicht mehr zusammen ist und die man schrecklich vermisst, wegzuschmeißen. Unter Umständen bewahrt man bestimmte Dinge aber auch auf. Gerade in unserer Zeit scheint es passend, darüber nachzudenken, was uns unser Besitz bzw. dessen Abwesenheit bedeuten: Wofür stehen bestimmte Besitzstücke? Wovon erzählen sie? In ihrem Buch Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke... tut die Autorin Leanne Shapton genau das. (Ein Film, der auf der Grundlage ihres Buches entstehen soll, wird mit Natalie Portman und Brad Pitt in den Hauptrollen besetzt.) Teils Graphic Novel, teils Roman, teils Fotoalbum, erzählt Shapton in ihrem Buch die fiktive Geschichte eines Paares – über einen Auktionskatalog. Als ich Leanne Shapton – Autorin, Illustratorin und Art Direktorin der Meinungsseite der New York Times – für dieses Interview anrufe, spricht sie mit mir darüber, wie sie bestimmte Dinge, zum Beispiel Zeitungsausschnitte, gestohlene Salzstreuer, handgeschriebene Notizen und ein altes Backgammonspiel eingesetzt hat, um die fiktive Geschichte eines Paares anzudeuten und uns einzulassen in die Welt von Lenore und Hal – ohne dabei alles über die beiden zu verraten.
Frau Shapton, was hat Sie dazu gebracht, die Geschichte eines Paares über dessen gemeinsamen Besitz zu erzählen?
Mir gefällt die Vorstellung, dass bestimmte Dinge eine gewisse Vorgeschichte haben und mehr in sich bergen, als es von außen den Anschein hat. Es ging mir darum, darüber nachzudenken, warum und wie wir diese Dinge aufbewahren. Was nimmt man aus einer in die Brüche gegangenen Beziehung mit in eine neue Beziehung? Was kann man einfach nicht wegschmeißen? Ich wollte mehr herausfinden über das geheime Leben und das romantische Moment, das von bestimmten Dingen ausgeht, also alles, was objektiv betrachtet vielleicht nicht besonders wertvoll ist, aber eben sentimentalen Wert hat.
Wie sind Sie bei der Auswahl der Dinge, die Lenore bzw. Hal gehören, vorgegangen? Haben Sie sich zunächst Gedanken um die Charaktere Ihrer beiden Protagonisten gemacht oder sind es zunächst die Gegenstände gewesen, die Sie für die beiden gesucht haben?
Ich hatte mir ja vorgenommen, die Geschichte einer vierjährigen Beziehung zu erzählen, also habe ich mir zunächst die Frage gestellt, was ein Paar innerhalb von vier Jahren erlebt. Bestimmte Momente, die diese Beziehung definieren sollten, habe ich dann herausdestilliert und über ausgewählte Gegenstände erzählbar gemacht, zum Beispiel die Serviette mit der Telefonnummer von Lenore darauf, als sich die beiden gerade kennen gelernt haben. Ich habe mir also zunächst die Geschichte ausgedacht und sie dann auf bestimmte Dinge übertragen. Aber je weiter ich war, desto mehr Dinge kamen mir auch in den Sinn, die unbedingt in der Geschichte vorkommen mussten. Auf meinen Streifzügen durch Geschäfte und Flohmärkte kamen mir immer wieder Sachen unter, und ich dachte dann zum Beispiel „Diesen mit künstlichem Schnee besprühten Tannenbaum muss ich unbedingt noch einbauen!“
Welcher der Gegenstände in Ihrem Buch ist wohl derjenige, der am meisten über Lenore und Hal erzählt, der am meisten über ihr Leben als Paar aussagt?
Da fällt mir ein recht harmloser Gegenstand ein – die leeren Gewürzdöschen, die Hal im Handschuhfach seines Hondas aufbewahrt und in denen er 25-Cent-Stücke zum Parken sammelt. Diese Döschen kommen erst relativ spät im Buch vor, aber ich wollte unbedingt etwas finden, das gewissermaßen aus ihrer beider Leben hervorgeht. Hal ist sehr viel unterwegs, fährt sehr viel Auto und Lenore ist jemand, der eine Kuchenkolumne schreibt und sehr viel Zeit mit Backen und Kochen verbringt. Die Gewürzdöschen brachten also beider Leben zusammen. Sie würden in keiner anderen Beziehung so existieren.
Wäre die Beziehung und auch das ganze Buch wohl genauso „sprechend“, wenn Ihre Protagonistin Lenore keine Kolumnistin und Ihr Protagonist Hal keine Fotograf gewesen wäre und Sie den beiden andere Berufe gegeben hätten?
Es war natürlich schon wichtig, dass sich die beiden für besondere Dinge interessieren. Es lag mir viel daran, dass Hal sich für Fotos interessiert und Lenore ein Faible für Bücher hat. Das war wesentlich für die Geschichte, denn natürlich gibt es auch Leute, die gar nichts aufbewahren. Meine beiden Protagonisten mussten aus einer Welt stammen, in der Visuelles und Schriftliches eine große Rolle spielt, so dass ich genügend Möglichkeiten hatte, ihr Innenleben mit allen Höhen und Tiefen erzählbar zu machen.
Ich habe die Geschichte auch extra im Jahr 2004 beginnen lassen, also zu einer Zeit, in der wir noch nicht alles über E-Mail erledigt haben, sondern Korrespondenzen zum Beispiel auch noch über Faxgeräte liefen. Es lag mir viel daran, dass die beiden zu denjenigen Menschen gehören, die sich ihre Liebe noch handschriftlich gestehen, die sich Dinge aufschreiben, in Büchern notieren oder sich gegenseitig Post-Its hinterlassen.
Glauben Sie, es ist möglich herauszufinden, wer jemand war oder was Menschen miteinander geteilt haben, indem man sich ihren Besitz, die Dinge, mit denen sie sich umgeben haben, ansieht?
Nein, das glaube ich nicht. Ich denke, auch meine Figuren Hal und Lenore haben noch genug Geheimnisse, die wir nicht ergründen werden. Was wir von ihrer Geschichte zu begreifen meinen, begreifen wir nur, weil es uns so Sinn zu machen scheint, und wir immer von unserer eigenen Erfahrung ausgehen. Keiner weiß wirklich, was sich zwischen den beiden abgespielt hat und was den Zauber ausgemacht hat. Es gibt irgend etwas, das Paare zusammenhält, aber man weiß nie genau, was es eigentlich ist. Wir wissen es nicht, weil es an sich unbegreiflich ist.
Es geht mir in meinem Buch auch nicht darum, zu behaupten, dass wir Menschen über die Gegenstände, mit denen sie sich umgeben, verstehen könnten. Es geht mir vielmehr um das, was man als das, was von der Liebe übrig bleibt, bezeichnen könnte; um die Tatsache, dass wir oftmals vollkommen bedeutungslosen Dingen bestimmte Bedeutungen zuschreiben. Ich gehe der Frage nach, wie bestimmte Gegenstände für ein Gefühl für Liebe stehen können, wie wir sie „besetzen“ und ihnen etwas zu schreiben – und dann ist es eines Tages nicht mehr so. Was bleibt dann? Und was macht das mit uns? Es geht mir darum, spielerisch zu erproben, wie unendlich viele Geschichten in unbelebten Objekten stecken.













